Wer bin ich?

Hallo, ich bin Lars, 31 Jahre und neuester Spross im Aeroclub Ansbach e.V. Der Traum vom Fliegen beschäftigt mich bereits seit meiner Kindheit und ganz besonders als ich bei einem Schnupperflug vorn links Platz nehmen durfte. In meinem Blog möchte ich meinen Weg zur Pilotenlizenz festhalten und Einblicke in meine Motorflugausbildung geben.

Was geschah vorab?

Medizinische Checks

 

18. Januar:

Augenarzttermin: Nach gefühlt ewigem Warten auf einen Termin ist es nun endlich soweit. Erste Untersuchung beim Augenarzt. Etwas aufgeregt bin ich, schließlich muss ich gestehen, dass mein letzter Besuch bei einem Augenarzt bereits mehrere Jahre zurückliegt. Dann geht es los: Augendruck messen, Farben erkennen, Sehstärke messen und so weiter und so weiter. Über zwei Stunden hinweg. Unglaublich was man am Auge so alles untersuchen kann. Naja, sei es drum. Nach der Untersuchung geht es nochmal zum Gespräch mit dem Arzt, der in seiner Freizeit auch gerne das Auto gegen den Flieger tauscht. „Alles gut, es spricht nichts dagegen.“ – Erste Hürde geschafft!!!

7. März:

Fliegerarzt: Aufgeregt sitze ich im Wartezimmer. Die Minuten kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Ich darf endlich ins Untersuchungszimmer kommen. Blutprobe, Blutdruck messen, Koordination. Soweit so gut. Viel verrät er nicht zu seinem EIndruck. Nun zum EKG – „Sieht sehr gut aus!“ Meine Anspannung fällt langsam ab. Nach gut einer Stunde der Kommentar vom Doc: „Wenn die Untersuchung Ihrer Blutwerte auch passt, wovon ich ausgehe, bekommen Sie das Medical.“ Freudestrahlend gehe ich aus dem Wartezimmer, nehme nochmal Platz und dann: Auch geschafft! Es kann losgehen!!!

Erster Flug

1. Mai 2016

Meine Anmeldung im Verein habe ich erledigt. Ich komme nachmittags zum Flugplatz um noch einige Details zu besprechen und meinen Fluglehrer zu treffen. Es geht sofort los. Bisher bin ich unvorbereitet und kenne weder den Ausbildungsflieger noch die Schalter und Anzeigen am Instrumentenbrett. Der Termin war schließlich eher für Absprachen gedacht. Aber macht nichts, die Maschine steht bereit und da sitze ich auch schon vorne links. Mit der Checkliste in der Hand starte ich den Motor. Es ist der erste Flug in meiner Ausbildung. Weiter geht’s mit der Checkliste. Wo war nochmal der Drehzahlmesser? Findet sich alles! Und da geht es auch schon los. Mein Fluglehrer übernimmt den Start auf Piste 09. Und da bin ich nun – auf dem Pilotensitz der Aquila A210 und fliege! Wir verlassen die Platzrunde in Richtung Nordwest und ich übernehme. Erste Aufgabe: Steigen auf 3000 Fuß. Noch ziemlich unsicher wird mir die Aufgabe dennoch gelingen, denn wie man den Höhenmesser abliest, weiß ich bereits. Kurzer Blick nach außen, bisherige Flugzeit: Keine fünf Minuten. Mein Fluglehrer kündigt an, dass wir jetzt eine Steilkurve fliegen. Bevor ich irgendetwas tun kann, liegt die Maschine auch mit 60° Querneigung in der Rechtskure. Hilfe!! Die Arme sind schwer, es wirken 2g auf meinen Körper. Irgendwann landen wir wieder. Die Worte des Fluglehrers: „Etwas Gefühl ist vorhanden - das bekommen wir schon hin.“ Mein Fazit: Vorsicht Suchtgefahr!!!

Die nächsten Flüge:

Weiter geht’s mit der Ausbildung. Die wesentlichen Schalter und Instrumente finde ich inzwischen – schließlich habe ich meine Hausaufgaben vorbildlich erledigt und mich ins Handbuch der Aquila eingelesen.

Bisher kümmern wir uns ausschließlich um die praktische Ausbildung. Heute habe ich die Aufgabe auf 9500 ft zu steigen. Wir spüren den Einfluss der Blauthermik auf den Flieger, während wir uns der Wolkenbasis nähern. Das rechte Ruderpedal bleibt die ganze Zeit getreten um die Einflüsse des Propellers bei Vollgas auszugleichen. Die kleine Maschine schraubt sich Meter für Meter nach oben. Wir steigen weiter durch die Wolkenlücken und erreichen irgendwann unsere Flughöhe. Der Höhenmesser wird umgestellt und wir wechseln von Flughöhe auf Flugfläche 095. Nachdem Drehzahl und Ladedruck auf Reiseleistung eingestellt sind, bleibt mir kurz Zeit den beeindruckenden Ausblick zu genießen. Nach wenigen Minuten stehen die nächsten Aufgaben an. Linkskurve, Rechtskurve und dann Steilkurven mit 60° Querneigung. In meinem Blickfeld taucht die Autobahn A6 auf – 2500m fast senkrecht unter mir! Meine Anspannung steigt deutlich, vor allem als mir mein Fluglehrer einen Strömungsabriss vorführt. Ich halte mich fest so gut ich kann, zum Aussteigen ist es jetzt eh schon zu spät!

Aber auch nach diesem Flug denke ich mir grinsend: Gib mir mehr davon!!

 

Sonntag, 19. Juni

Wir treffen uns nachmittags am Flugplatz. Nachdem die Schulung am Tag zuvor aufgrund des Wetters buchstäblich ins Wasser gefallen ist, sieht es diesmal gut aus. Ich darf mehr und mehr Aufgaben übernehmen. Checkliste bearbeiten, Funk bedienen, Rollen zur Bahn und los geht‘s. Starten auf Piste 27. Kraftstoffpumpe aus, Klappen einfahren und nach links in den Querabflug drehen. Wir bleiben in der Platzrunde und bereiten bereits wieder die Landung vor. Kraftstoffpumpe wieder einschalten, Vergaservorwärmung an, Fahrt reduzieren und Klappen auf Landung. Wir gehen in den Endanflug. Aufsetzen, wieder Vollgas und durchstarten. Das alles fünfmal hintereinander. Noch greift mein Fluglehrer mit ein, aber die die Fortschritte sind spürbar. Die Windböen lassen die Maschine schaukeln. Trotzdem fliegen wir nochmal aus der Platzrunde Richtig Westen. Es herrscht herrliche Fernsicht. In 3000 ft trimme ich die Maschine und erhalte ich die Aufgabe einen Standardvollkreis nach links zu fliegen. Blick nach hinten, alles frei und los. Mit einem Auge auf den Instrumenten, denn ich erinnere mich daran, dass ich die Standardkurve vom Wendeanzeiger ablese. Aufgabe gemeistert, Höhe beibehalten. Weiter geht’s bis zur A7 und anschließend zwei Minuten Richtung Süden. Zurück in Richtung Flugplatz fliegen wir einen Vollkreis über Schloss Schillingsfürst. Ein wunderbarer Anblick von oben! Wir fliegen noch drei Platzrunden und landen anschließend. Mein Fluglehrer ist „ganz zufrieden“, was ich ohne schlechtes Gewissen als Lob werten kann. Aktueller Ausbildungsstand: 4:25 Stunden und 26 Landungen. Ich freu mich schon auf den nächsten Flug!

17.07.2016

Bei Sonnenschein und leichtem Wind geht es wieder in die Lüfte. Wir verlassen die Platzrunde Richtung Nordwest und fliegen einige Zeit gefühlt im zick zack. Warum wird mir klar, nachdem wir auf die vorgeschriebene Mindestflughöhe (ca. 150 m über Grund) gesunken sind. Meine Aufgabe: zurück zum Flugplatz finden. Garnicht so leicht aus dieser Perspektive, denn die Hügel werden größer und versperren die Sicht auf weiter entfernte Anhaltspunkte am Boden. Konzentriert achte ich auf meine Flughöhe und suche Peterdorf. Dank bester Sicht und einiger Tipps vom Fluglehrer gelingt mir die Aufgabe auch einigermaßen. Da wir zurückgefunden haben, können wir nun noch weiter Platzrunden fliegen um an meiner Landetechnik feilen. Das Geschehen in Bildern sieht wie folgt aus:

Bevor wir gehen, bekomme ich noch folgende Hausaufgabe: die Notlandeverfahren im Betriebshandbuch nachlesen. Umso gespannter bin ich auf meine nächsten Flüge!

Aktueller Ausbildungsstand: 5:53 Std., 37 Landungen

20.07.2016

Es fühlt sich fast an wie Weihnachten – meine Ausbildungsmaterialien sind eingetroffen! Sieht doch schon richtig professionell aus die Grundausstattung für den Flugschüler. Die Theorieausbildung findet in unserem Verein zwar in den Wintermonaten statt, aber es wird trotzdem Zeit, mich in die Grundlagen von Theorie und Flugfunk einzulesen. Und los geht’s!

14.08.2016

Hausaufgaben erledigt – Vorgehen bei Notlandungen gelernt. Seit meinem letzten Flug ist einige Zeit vergangen sodass ich schon etwas angespannt bin. Erste Aufgabe heute: Ziele nach Karte anfliegen. Für mich heißt das, nicht „nur“ fliegen sondern nebenbei auch rechnen. „Wie viele Minuten brauchen wir für sechs Zentimeter in der Karte?“, werde ich gefragt. Meine Rechnung ergibt zehn Minuten. Die Stoppuhr der Maschine läuft. Wir hangeln uns Kilometer für Kilometer voran und finden schließlich Kitzingen. Wir orientieren uns an Bahnlinien, Türmen und der Autobahn und erreichen irgendwann Würzburg. Bei sonnigem Wetter und bester Sicht ist das ein wunderbarer Anblick! Fast hätte ich vor lauter Schauen das Fliegen vergessen. Es geht wieder zurück zum Flugplatz. Es stehen noch einige Ziellandungen an, also Landungen mit simuliertem Motorausfall. Danach noch ein paar Landungen ohne Landeklappen. Nach dem straffen Programm heute steige ich zufrieden aus und freue mich auf die nächste Flugstunde.

Aktueller Ausbildungsstand: 8:39 Std., 48 Landungen

19.08.2016

Wir treffen uns am späten Freitagnachmittag am Platz. Das Wetter: stark bewölkt, aber fast windstill. Im Moment sind wir das einzige Flugzeug weit und breit. Los geht’s mit einigen Platzrunden. Danach fliegen wir etwas weg vom Platz und die Aufgabe lautet: Steilkreise fliegen - jeweils mit 60 Grad Querneigung. Erst nach links, dann nach rechts. Ich muss sagen, garnicht so leicht die Höhe zu halten und dabei einen sauberen Kreis zu drehen! Wir fliegen zurück nach Petersdorf. Einige Platzrunden später gelingt mir heute tatsächlich das erste Mal die Landung ohne Hilfe meines Fluglehrers!!! Zugegeben, an der B-Note müssen wir noch etwas feilen. Ich freu mich jedenfalls auf’s nächste Mal!

Aktueller Ausbildungsstand: 9:39 Std., 55 Landungen

08.10.2016

Ich kann nun auf 11 Flugstunden und 72 Landungen zurückblicken und fühle mich im Flugzeug immer sicherer. Das ist auch gut, denn mein Lehrer greift immer seltener ein und überlässt mir die Maschine in den meisten Fällen selbst.

Samstag, 8. Oktober. Es geht um 9 Uhr zum Flugplatz. Heute wird nicht geflogen – der halbjährliche Arbeitsdienst steht an. Der Sommer hat seine Spuren hinterlassen. Löcher auf der Piste beseitigen, Reparaturen am Gebäude vornehmen und eine Grundreinigung der Flieger sind einige der Aufgaben. Überall am Flugplatz wird heute gearbeitet und geputzt.

Bei nebligen fünf Grad hält die kalte Jahreszeit schon ihren Einzug. Trotzdem hoffe ich noch auf ein paar Tage mit schönem Flugwetter im Herbst – schließlich will meine Landetechnik vor Saisonende noch etwas verfeinert werden.

01.11.2016

Der Herbst zeigt sich heute von seiner sonnigen Seite. Das heißt: Flugwetter!!!

Wir sitzen in der Maschine, rollen zum Haltepunkt an der Piste und führen die obligatorischen Motorchecks vor dem Abflug durch. Es herrscht reger Funkverkehr. Im Moment befinden sich drei andere Maschinen in der Platzrunde, die gleich nacheinander landen werden. Das gute Wetter hat offensichtlich viele Piloten an den Platz gelockt. Für uns bedeutet das, genau zuhören und die anderen Flugzeuge im Auge behalten. Wir finden schließlich eine Lücke zum Starten. Los geht’s.

Wir fangen an und üben erst Kreise und dann Steilkurven. Links, rechts, links rechts und die Höhe möglichst auf hundert Fuß genau halten. Garnicht so leicht als Schüler. Zurück geht’s zum Flugplatz um noch einige Landungen zu üben. Wir beobachten aufmerksam die Umgebung, denn über Funk melden sich zwei andere Flugzeuge aus unmittelbarer Nähe. Das Landen gelingt mir heute durchschnittlich.

Nach dem Flug heißt es den Flieger zu waschen und ab damit in die Halle.

In den kommenden Wochen und Monaten wird das Hauptaugenmerk auf der Theorieausbildung liegen. Los geht es ab Mitte November mit dem Lehrgang zum Sprechfunkzeugnis. Ich bin gespannt.

Aktueller Ausbildungsstand: 11:17 Std., 77 Landungen

November 2016

BZF-Lehrgang

Der Winter ist fast schon da und für uns Schüler heißt es nun pauken. Jeder Flugzeugführer benötigt ein Funksprechzeugnis (BZF = Beschränkt zulässiges Flugfunkzeugnis). Es gibt ein sog. „BZF 2“ (Flugfunk ausschließlich in deutscher Sprache) und ein „BZF 1“ (Funk in deutscher und englischer Sprache).

Im November begann der Theorielehrgang dafür. Nach reichlich Überlegung habe ich mich dazu entscheiden, gleich das BZF 1 abzulegen, denn dies ist auch die Voraussetzung für Flüge außerhalb Deutschlands.

Der Lehrgang wird insgesamt drei Wochenenden in Anspruch nehmen. Bevor wir Sprechübungen durchführen, erwarten uns theoretische Grundlagen. Welche Bodenfunkstellen gibt es ? Wann muss der Pilot welche Meldungen absetzen wie ist überhaupt der Luftraum strukturiert ? Dazu müssen noch Sprechgruppen gelernt werden, denn auch diese sind in der Luftfahrt klar festgelegt.

Am zweiten Wochenende üben wir dann das Sprechen – nicht am Funkgerät, sondern im Schulungsraum am Flugplatz. Unser Dozent nimmt die Rolle des Fluglotsen ein. Er hatte uns vorher noch gewarnt, dass wir möglichst ausgeschlafen sein sollten. Ich kann nur bestätigen, dass der Kopf nachmittags raucht. Fast alle Schüler geraten mitunter ins Stottern. Frei nach seinem Motto „hart aber ungerecht“ werden uns  jegliche Fehler angekreidet, die wir in der Prüfung vermeiden sollten.

Die Prüfung wird im Januar stattfinden. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

Januar 2017

BZF 1-Prüfung

17. Januar 2017 – heute ist einer der wichtigsten Tage in meiner bisherigen Flugausbildung. Die BZF 1-Prüfung steht an. Bei klirrender Kälte geht es zur Bundesnetzagentur nach München.

Wir Prüflinge sitzen angespannt im Warteraum. Kaum zu glauben, wie schnell dieser Tag angerückt ist. Die Prüfung zum BZF 1 (Funkverkehr in deutscher und englischer Sprache) besteht aus drei Teilen.

Mit einiger Verspätung geht es um 13.15 Uhr los.

Teil 1 – schriftlicher Teil: Es müssen 100 Theoriefragen angekreuzt werden. Dafür ist eine Stunde Zeit. Durchaus machbar, wie ich finde.

Teil 2 – mündlicher Teil: Ein kurzer englischer Text aus dem „Luftfahrthandbuch“ muss laut vorgelesen und übersetzt werden. Das Luftfahrthandbuch ist so etwas wie die Straßenverkehrsordnung, nur für die Luftfahrt. Auch dieser Teil ist schaffbar, wenn man sich einige Vokabeln angesehen hat.

Teil 3 – praktischer Teil:  Hier wird jeweils der Funkverkehr beim An- und Abflug an einem Verkehrsflughafen simuliert. Geprüft wird, ob die notwendigen Freigaben eingeholt und die (im Luftfahrthandbuch festgelegten) Sprechgruppen verwendet werden. Der Prüfer ist in der Rolle des Fluglotsen; jeder Prüfling jeweils in der Rolle eines Piloten.

Wir erhalten jeweils Sichtflugkarten und ein paar Minuten zur Vorbereitung. Abflug ist von Nürnberg, Anflug in Stuttgart. Konzentration ist hier ganz wichtig. Jederzeit können unerwartete Abfragen zu Kurs, Höhe oder Position gestellt werden. Hier sollte man nicht lange nachdenken müssen. An der Stelle macht sich die intensive Prüfungsvorbereitung bezahlt.

Und nach ca. einer Stunde dann endlich die Erlösung: BESTANDEN!!!

Ich mache mich freudestrahlend auf den Heimweg. Nun heißt es: schnellstens die Theorieausbildung anpacken!

März 2017

Theorieausbildung

Der Theorieunterricht im Verein ist fast abgeschlossen. In den letzten Monaten wurden uns prüfungsrelevante Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen vermittelt. Prüfungsfächer sind u.a. Luftfahrzeugtechnik, Flugleistung und Navigation aber auch menschliches Leistungsvermögen und Luftrecht.

Am heutigen Sonntag stehen noch Übungen zum Thema Flugplanung auf dem Programm. Für eine vorgegebene Strecke müssen Kurse und Flugzeiten berechnet werden. Nachdem man den Kurs aus der Karte entnommen hat, ist die Arbeit noch lange nicht beendet. Karten richten sich nach dem geographischen Nordpol, die Instrumente im Flieger nach dem magnetischen Nordpol. Außerdem müssen Windeinflüsse auf der Strecke berücksichtigt werden. Um auch ans Ziel zu gelangen darf also zunächst gerechnet werden. Ähnliche Aufgaben werden auch in der Prüfung gestellt.

Die Prüfung beim Luftamt ist schriftlich und besteht sowohl aus Multiple Choice als auch aus Rechenaufgeben. Termine sind regelmäßig dienstags. Insgesamt werden neun Fächer geprüft, die auch getrennt voneinander abgelegt werden können. Ich werde die Prüfung voraussichtlich in zwei Teile aufteilen – einen im Frühsommer, den zweiten im August oder September. Bis dahin heißt es pauken!

1. April 2017

Das Wetter könnte nicht besser sein. Morgens halb zehn bin ich mit den anderen Motorflugschülern am Flugplatz verabredet. Als erstes steht die sog. Vorflugkontrolle an, die vor jedem Flugtag durchgeführt werden muss. Kontrolliert werden z.B. der Rumpf auf Beschädigungen, die Reifen auf Zustand und korrekten Sitz auf der Felge, der Propeller, die Ruder. Insgesamt eine mehrseitige Liste nach Vorgaben des Flugzeugsherstellers. Wir sind einige Zeit beschäftigt. Motoröl und Kraftstoff sind ausreichend vorhanden. Die Maschine ist nun startklar.

Endlich sitze ich wieder am Steuer. Zunächst üben wir Landungen. Danach geht es einige Kilometer weg vom Platz. Wir fliegen Kurven, danach Steilkreise mit 60 Grad Querneigung. Anschließend sollen vorgegebene Kurse und Flughöhen gehalten werden. Es geht zurück. Wir nähern uns dem Flugplatz in 3500 Fuß Höhe für eine Ziellandeübung. Dabei wird die Motorleistung auf Leerlauf gestellt um einen Motorausfall zu simulieren. Wir segeln sozusagen zum Platz. Nach dem Aufsetzen geben wir sofort wieder Vollgas und starten durch. Kurz nach dem Abheben greift mein Fluglehrer zum Gashebel und nimmt die Leistung zurück auf Leerlauf. Kein Aprilscherz. Wir simulieren einen Motorausfall nach dem Start. Die Piste liegt hinter uns, zurück würden wir es nicht schaffen. Wir müssten auf dem Feld hinter der Landebahn landen. Knapp über dem Boden gibt er aber wieder Vollgas. Wir fliegen weiter in der Platzrunde und landen anschließend sicher.

Das war ein umfangreiches Programm heute. Ich steige jedoch mit einem guten Gefühl aus dem Flieger. Mein Fluglehrer redet mir nochmal ins Gewissen. Die Theorieprüfungen sollte ich möglichst nicht mehr allzu lange vor mir her schieben.

Aktueller Ausbildungsstand: 12:30 Std., 85 Landungen

2. Mai 2017

Langsam wird es ernst. Heute sende ich die Anmeldung zur theoretischen Prüfung ans Luftamt. Nun muss ich mich gedulden, bis mir das Luftamt die Zulassungsbestätigung inkl. Gebührenbescheid schickt. Erst danach kann ich mich zu einem Termin anmelden.

Meine Vorbereitungen sind aber in vollem Gange. Ich habe mich dazu entschlossen, die Prüfung in zwei Teile zu splitten. Im ersten Teil möchte ich Fächer „Grundlagen des Fliegens“, „Allgemeine Luftfahrzeugkunde“, „menschliches Leistungsvermögen“, „Luftrecht“, „Kommunikation“ und „betriebliche Verfahren“ schreiben. Hinter diesen, etwas kryptischen Begriffen, verbirgt sich das Basiswissen, was man zum Fliegen braucht. Die Fragen beinhalten z.B. die Steuerung des Fliegers, den Aufbau und Funktion der Instrumente oder auch das Verhalten bei Motorausfall.

Im zweiten Teil erwarten mich dann die Navigation, Flugplanung und Meteorologie.

Parallel dazu läuft die Praxisausbildung weiter. Mittlerweile blicke ich auch 14.30 Std. Flugzeit und 96 Landungen zurück und fühle mich auch in der Praxis immer sicherer.

23.5.2017 – Theorieprüfung

Nun ist es soweit. Morgens um sieben fahre ich zum Luftamt am Nürnberger Flughafen. Die Aufregung steigt, denn heute schreibe ich den ersten Teil meiner Theorieprüfung.

Es ist kurz vor acht Uhr. Ich melde mich beim Prüfer an und wähle meine Prüfungsfächer aus. Die Prüfung kann in maximal sechs Teile gesplittet werden. Ich schreibe heute sieben der insgesamt neun Fächer. Jetzt geht es los. Ich beginne mit „Betrieblichen Verfahren“ und arbeite mich so langsam durch meine Auswahl. Besonders wichtig sind mir beim heutigen Teil aber die Grundlagenfächer „Allg. Luftfahrzeugkunde“ und „Grundlagen des Fliegens“. Es werden jeweils 25 Fragen gestellt. Je Frage hat man etwas mehr als eine Minute Zeit. Das ist in den meisten Fällen mehr als ausreichend. Etwas umfangreicher ist das Fach „Luftrecht“. Hier geht es, unter anderem, darum, das gelernte Wissen anzuwenden und die Luftraumstruktur aus einem beliebigen Kartenausschnitt abzulesen. In meinem Fall im Luftraum südwestlich von Leipzig.

Nach knapp zwei Stunden habe ich alles durchgekreuzt. Ich darf noch etwas warten und bekomme dann mein Ergebnis: alle Fächer bestanden!!!

Den zweiten teil der Prüfung plane ich im Sommer ein – zu schreiben sind jetzt noch „Flugleistung und –planung“ und „Meteorologie“.

Erster Soloflug

15. Juni 2017. Am heutigen Feiertag treffe ich mich um 13 Uhr mit meinem Fluglehrer. Vor dem Abflug steht der obligatorische Check der Maschine an. Anschließend starten wir.

Wir fliegen zunächst innerhalb der Platzrunde um Landungen zu üben. Drei Versuche, alle erfolgreich. Nach der dritten Landung rollen wir zum Flugzeug-„Parkplatz“. Der Fluglehrer verlässt die Maschine. Ich bleibe sitzen und bekomme die Aufgabe, nun drei Platzrunden alleine zu fliegen.

Nun ist er da – der Moment auf den wir so lange hin gearbeitet haben: mein erster Soloflug. Ich rolle los, melde mich über Funk. Und dann ist es soweit. Auf der Piste gebe ich Vollgas: Richtung halten, Bugrad entlasten, Geschwindigkeit im Auge behalten. Nach dem Anheben lasse ich die Maschine beschleunigen und steige auf die Sicherheitsmindesthöhe. Kraftstoffpumpe ausschalten, Landeklappen einfahren und schon geht es 90 Grad nach links in den sog. Querabflug. Die Maschine steigt und alles ist wie immer. Aber nur fast, denn ich sitze allein im Flieger!!! Überlegen kann ich nicht lange. Ich konzentriere mich jetzt auf das, was wir mehr als einhundert Mal geübt haben. Landevorbereitungen treffen: Kraftstoffpumpe und Vergaservorwärmung an, Fahrt reduzieren, Höhe halten und Klappen setzen. Ich achte darauf, die Platzrunde korrekt zu fliegen. Kurzer Blick nach rechts – es ist kein anderes Flugzeug im Anflugbereich zu sehen. Ich drehe in den Endanflug und muss exakt auf die Piste zu fliegen. Die Sinkgeschwindigkeit wird mit dem Gashebel angepasst. Kurz vor Erreichen der Bahn das Gas auf Leerlauf und die Maschine in der Luft halten. Das Hauptfahrwerk muss zuerst aufsetzen. Geschafft! Das Ganze nun noch zweimal. Nach drei Platzrunden rolle ich zurück, steige aus und bespreche mich mit meinem Fluglehrer. Ich bin gerade mehrfach erfolgreich ALLEINE!!! geflogen und gelandet.

Man liest oft, dass der erste Soloflug ein unvergessliches Erlebnis sei. Das kann ich voll und ganz bestätigen! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, was ich nicht vergesse! Am Abend wird noch angestoßen. Als Erinnerung gibt es noch den Schlüsselanhänger mit Typenaufschrift unserer Schulungsmaschine, der ab sofort seinen festen Platz gefunden hat.